Mit dem Boot über die Mecklenburgische Seenplatte.

Wir wohnen in der Nähe vom Bodensee, also im Süden von Deutschland.

Schon immer habe ich mir eine Reise mit einem Hausboot gewünscht, und es sollte jetzt im Juni wahr werden.

Schon im Januar hatten wir die Reise bebucht und hatten gar nicht mehr viel Auswahl an Booten, denn diese Fahrten scheinen sehr beliebt zu sein, die Boote sind sehr schnell vergeben.

Mit unserem Wohnmobil machten wir uns auf den Weg und nach 2 tägiger Fahrt erreichten wir Waren an der Müritz. Hier haben wir in unmittelbarer Stadtmitte einen Stellplatz gefunden, was für mich als Gehbehinderte sehr wichtig war.

Wir verbrachten noch einen Tag in der Stadt, besichtigten das Müritzeum, das interessant war und sehr zu empfehlen ist. Auch ein Bummel entlang am Hafen und durch das Städtchen sollte man einplanen.

Ab 15. Juni 2018 hatten wir das Boot „Pedro Skiron 1“ gebucht, das wir in der Marina Eldenburg übernehmen sollten. Wir meldeten uns im Büro, wo wir sehr freundlich empfangen wurden und alle Formalitäten erledigen konnten. Unser Wohnmobil konnten wir sogar im Garten von Frau Schulz, der Chefin, sicher und im Schatten abstellen, was bei den heißen Temperaturen vorteilhaft war.

Auch der Hafenmeister und seine Leute empfingen uns sehr freundlich, zeigten uns das Boot, da war ich erstmal überwältigt. So groß hatte ich mir das Schiff nicht vorgestellt. Auch ein Begrüßungssekt stand auf dem Tisch.

Es folgte eine Einweisung, die sich jedoch auf die Inhalte und die Bedienung des Bootes beschränkte, da mein Mann alle Bootführerscheine besaß und wir selbst ein kleines Motorboot besitzen.

Dann ging es an das Einräumen, mit kleinen Wägen konnte man die Sachen bis zum Boot fahren, was sehr angenehm ist. dann muss man die Sachen allerdings über eine Leiter in das Boot bringen, was mein Mann allein verrichten musste, da ich mit meiner Behinderung nicht helfen konnte.

Auch wenn die Grundausstattung vorhanden ist, so fehlen jedem vielleicht paar Kleinigkeiten, die er von zuhause gewöhnt ist. jeder muss für ich selbst entscheiden, was er benötigt und mitnehmen will.

Als einziges Mango empfanden wir den nur 80 l großen Kühlschrank mit einem Minieisfach. Es ist sinnvoll, eine Gefrierbox mit zu nehmen, denn nicht immer kommt man in einem Hafen zu einem Supermarkt.

Es wurde alles Mitgebrachte eingeräumt, Stauraum gibt es genügend, um seine Sachen unterzubringen.

Wir haben uns entschlossen, am Abend noch in der Marina Eldenburg zu bleiben und uns mit allem vertraut zu machen, bei einem kühlen Bier sitzen wir am Oberdeck und schauen gemütlich dem Hafentreiben zu.

Heute ist der 16.Juni 2018, wir haben gut geschlafen, die Betten sind Klasse. Gerhard hat noch Kleinigkeiten aus dem Womo geholt, dann hat er noch mal das Boot inspiziert, bevor wir aufgebrochen sind.

Gegen Mittag sind wir los, durch den Reeckkanal und die Binnenmüritz ging es an der Küste entlang Richtung Röbel. Man sollte die Betonnung beachten, denn der Uferbereich ist sehr steinig.

Die Müritz, das „Kleine Meer“, wie sie genannt wird, zeigte sich von der schönsten Seite, denn sie kann auch bei Wind ganz schön ruppig sein.

Im Jachtclub Röbel machten wir fest und wurden freundlichst aufgenommen. Wir wollen die Nacht hier bleiben und genießen am Oberdeck die Ruhe und Aussicht.

Am 17.06. verließen wir den Jachthafen und schipperten südwärts, immer die Tonnen im Visier. In der kleinen Müritz muss man besonders auf die Tonnen aufpassen, weil 2 Fahrwasser abgehen und es zum Teil sehr flach ist.

Der Wind hatte aufgefrischt und wir hatten Mühe, im Hafen von Rechlin anzulegen. Ein anderer Skipper stand schon bereit, die Leinen aufzufangen, leider habe ich zu kurz geworfen, sodass mein Mann mühe hatte, das Schiff rückwärts in die Box zu manövrieren. Wir haben es doch geschafft und verbringen den Abend im Hafen.

18.06.18 Heute Nacht hatte ich Probleme. Musste mal für kleine Mädchen, vom Salon in den Schlafraum muss man 3 Treppen steigen und in den Waschraum ebenfalls. Ich musste also heute Nacht erst 3 Treppen hoch und wieder 3 Treppen runter, mit meiner Gebehinderung eine Herausforderung.

Nach dem Kaffee hat Gerhard den Rollator herunter gehoben und ich bin mit zum Bäcker und Netto gelaufen, ca. 2 km. Rechlin ist ein kleines, sehr schönes und sauberes Städtchen.

Um ½ 11 Uhr legen wir ab und fahren in die Müritz-Havel-Wasserstrasse, manchmal ganz schön eng, aber wir fahren gern auf Flüssen und Kanälen, wo man Tiere und Pflanzen beobachten kann.

Vor Mirow erwartet uns die erste Schleuse und auch eine Überraschung, denn es warten schon viele Boote auf eine Weiterfahrt. Ca. 2 Stunden verbringen wir damit, um immer ein paar Meter vorwärts zu kommen. Das muss bei einer Rückfahrt eingeplant werden. Ich nutze die Zeit, um ein Mittagessen auf den Tisch zu bringen.

Das Schleusen ging problemlos, obwohl ich ja immer zum Bug vor laufen musste.

Mirow lassen wir links liegen, fahren in den Zotzen-, Mössen- und Vilzsee, dann in die Diemnitzer Schleuse, hier hatten wir keine Wartezeit.

Es war mittlerweile Nachmittag und wir kamen in den Labussee, suchten uns dort einen schönen Platz zum Übernachten. Gerhard warf den Anker, machte das Boot fest, dann holten wir den Grill heraus und legten Würstchen auf.

Später sind wir noch ins Wasser gehüpft, aber auch schnell wieder heraus, es war zu kalt, nur 18°. Bei einem Glas Wein verbrachten wir den Abend an Deck, obwohl wir Fernsehen hatten, war es schöner, oben am Wasser zu sitzen.

19.06.18 Es muss keine Marina zum Übernachten sein, auch im Labussee haben wir herrlich geschlafen.

Das Oberdeck ist mittlerweile unser liebster Aufenthaltsort geworden. Wir haben dort Kaffee getrunken und die frische Luft eingeatmet.

Nach Erledigung unserer Hausarbeit lichtete Gerhard den Anker und wir fuhren Richtung Rheinsberg. An der Canowschleuse kamen wir gut durch, aber im Hüttenkanal an Schleuse Wolfsbruch mussten wir erneut lange warten. Es handelt sich hier um eine selbst zu bedienende Schleuse und manche wissen nicht, was sie zu tun haben. Dann haben auch Fahrgastschiffe Vorrang, aber irgendwann hatten auch wir grünes Licht zur Weiterfahrt.

Im Grienickersee fotografierten wir das Schloss, was wir noch näher besichtigen wollen.

In der Marina hatten wir Glück, wir bekommen einen Platz zwischen einem riesigen Floß und einer größeren Luxusyacht und Gerhard legt unser Schiff problemlos rückwärts an. Andere Anleger haben uns gleich die Leinen abgenommen und an den Klampfen befestigt.

Von dem vielen Treppensteigen tun mir meine Knochen weh und ich will nur noch meine Beine hochlegen.

20.06.18 Gerhard hat am Oberdeck die Kaffeetafel gedeckt und mich um ½ 8 aus den Federn geschmissen. In Rheinsberg ist ein Supermarkt, wir wollen uns hier wieder mit frischen Lebensmitteln und Getränken eindecken. Der Aldi ist ca. 1 km weg, für mich wie immer ein Gewaltmarsch. Anschließend durchqueren wir das Städtchen mit unserem vollgepackten Rollator und laufen noch durch den Schlosspark. Besichtigung des Schlosses so ausgeschlossen.

Nach dem Essen machen wir die Leinen los und fahren ab. An der Wolfsbrucher Schleuse hat es wieder gestaut, fast

2 Stunden vergehen, bis wir in den kleinen Pälitzsee weiter fahren konnten. Hier wollten wir erneut übernachten und suchten in einer Bucht einen schönen Ankerplatz.

Der Himmel war heute den ganzen Tag bedeckt gewesen, es war schwülwarm, wir nahmen nach dem Abendbrot im See noch ein Bad. Das Wasser war 23° und wir wollten gar nicht mehr heraus. Herrlich!

Um uns herum waren Enten und Gänse, die sich nicht von uns vertreiben ließen, sie machten es sich auf der Badeplattform bequem. Erfrischt uns sauber sind wir gegen 23 Uhr in die Koje, Fernsehen haben wir nicht vermisst

21.06.18 Die Morgensonne hat uns aus den Federn getrieben, die Enten waren auch schon da, sie haben uns wohl die Nacht bewacht.

Weil es so schön warm war, haben wir nach dem Kaffee erneut ein erfrischendes Bad genommen und sind ein paar Runden geschwommen.

Wir wollen heute bis Fürstenberg kommen und fahren los. Bei der Schleuse Strassen war wieder der Wurm drin, aber es ging nicht solange wie gestern. Durch den Ellbogen- und Zirnsee kamen wir an die Steinhavelschleuse.

Für mich Gehbehinderte war es jedes Mal eine Tortour vor zum Bug zu laufen und die Leinen über die Dalben zu werfen. Aber es hat immer geklappt.

Im Westen zog eine Kaltfront auf, es wurde immer dunkler und wir steuerten die Marina Fürstenberg am Schwedtsee an, mussten aber noch die Stadtschleuse von Röblin- in den Baalensee bewältigen.

Es fing gerade an zu regnen, bis ich vorn am Bug war, hatte die Wolke alle Tore aufgemacht und ein Regenschwall ergoss sich über mich, ich konnte ja die Leinen nicht los lassen, so war ich pudelnass. Auch war es inzwischen kühl geworden.

Wir bekommen einen Liegeplatz, dann begann es zu stürmen und toben, aber wir waren im sicheren Hafen.

22.06.18 Der Sturm tobte die ganze Nacht, doch wir haben nichts davon mitbekommen, nur die Luft hat abgekühlt, man brauchte einen Pulli. Heute haben wir im Salon gefrühstückt. Danach ist Gerhard mal in die Stadtmarina gelaufen, von dort wäre es näher in die Stadt gewesen. Ich habe heute das Schiff nicht verlassen und mich von der gestrigen Dusche erholt.

Wir fahren weiter, mussten erneut an der Selstbedienungsschleuse lange warten. Es geht dann doch voran. Da es uns heute nicht zum Verweilen an Deck ist, schippern wir langsam weiter. Es ist bedeckt, regnet aber nicht, es bleibt den ganzen Tag trocken. In Canow in der Marina machen wir halt, wollen dort übernachten.

Der Hafenmeister steht schon bereit, wir werden freundlich aufgenommen, kommen mit anderen Skippern ins Gespräch und tauschen unsere Erlebnisse aus, dann gehen wir zeitiger schlafen.

23.06.18 Canow ist eine kleine Marina und auf frische Brötchen müssen wir heute verzichten. Gerhard macht einen Spaziergang durch das Dörfchen bis zur Schleuse, wo schon mehrere Boote warten.

Wir legen auch wieder ab und fahren weiter. Müssen natürlich an der Schleuse Zeit einplanen, aber was macht das schon aus. Man kann Gespräche mit anderen Skippern führen, Erfahrungen austauschen, Ruhen und die Natur beobachten.

Wir überqueren langsam den Labussee und bewältigen schnell die Diemitzer Schleuse. Manchmal ist der Höhenunterschied des Fahrwassers nur 40 cm, dann wieder mehr als 3 m. Den Vilzsee passieren wir nur kurz, fahren nicht in die Müritz-Havel-Wasserstrasse, sondern nach Mirow, ein kleines schönes Städtchen.

Wir hatten Glück noch einen Liegeplatz zu erhaschen, es war total voll und sehr eng, der Platz ist beliebt, weil das Zentrum nahe ist.

Auch wir nutzten die Nähe und laufen in die Stadt, wir brauchten neue Verpflegung.

Eine Strecke zum Supermarkt betrug etwa 1 ¾ km, für mich eine Maratonstrecke. Wir laufen ein, mein Rollator hat sich bezahlt gemacht, er wurde wieder voll beladen.

24.06.18 Den heutigen etwas regnerischen Tag verbringen wir in Mirow. Gerhard besichtigt die Kirche und besteigt den Turm, am Nachmittag machen wir gemeinsam einen Rundgang durch die Stadt und besichtigen die Keller, in denen das Leben von früher dargestellt wurde.

25.06.18 Heute ist die Sonne wieder heraus gekommen, wir trinken Kaffee und machen die Leinen los, wollen bis Eldenburg und müssen die Müritz überqueren. Haben aber nur noch eine Schleuse vor uns, dort ging es zügig, brauchten nicht warten.

Es war windig geworden, aber in dem Schiff merkt man die Wellen nicht so wie in unseren kleinen Bötchen. Wir ankerten noch mal im See und machten Mittag, dann ging es weiter zur Heimatmarina Eldenburg , wo wir anlegten und erst einen Nachmittagskaffee auf dem Oberdeck zu uns nahmen.

Brauchen das Boot erst am 29.06 abgeben und wollen von hier noch nach Westen bis Plau fahren, aber heute hier über Nacht bleiben.

Wir haben schon einige Sachen eingepackt, die ich nicht mehr brauche, um sie schon ins Wohnmobil zu geben.

Gerhard fährt sie mit einem Wägelchen hin und schaut nach dem Rechten.

Abend schlendern wir durch die Marina, besichtigen noch andere Boote und trinken an dem lauen Abend wieder ein Schlummertrunk an Deck.

26.06.18 Nach unserem Frühstück auf dem Oberdeck machen wir uns startklar und tuckern durch den Reeckkanal in den Kolpingsee. Der ist mehr befahren und auch viele Fahrgastschiffe begegnen uns.

Das Wetter ist wieder traumhaft und warm. Wir überqueren den Fleesensee und kommen an die Drehbrücke nach Malchow. Hier müssen wir eine Weile warten, weil die Brücke sich nur zur jeden vollen Stunde öffnet. Wir fahren dann durch den Petersdorfer See in den Plausee ein.

Es ist Mittagszeit und Gerhard macht noch mal den Grill fertig und wir legen ein paar Hühnerbrüstchen auf und lassen es uns schmecken.

Es geht anschließend über den Plausee und sehen bald schon den Leuchtturm, laufen in die Müritz-Elde-Wasserstraße ein und machen an der Strandstraße fest. Hier wollen wir die Nacht bleiben.

Nach einen Spaziergang über die Strandpromenade essen wir einen Eisbecher, den Abend verbringen wir an Deck.

27.06.18 Um ¾ 11 Uhr legten wir in Plau ab und fuhren zurück nach Malchow, wo wir im Stadthafen einen schönen Liegeplatz bekamen, konnten von hier das ganze Geschehen beobachten. Hier legen Fahrgastschiffe an und es gab immer was zu sehen und Gespräche mit anderen Freizeitkapitänen zu führen. Auch ein Gang durch die Stadt war obligatorisch und abends aßen wir in der Fischerstube einen frisch gerauchten Saibling. Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Köstlich.

Abend saßen wir wie üblich an Deck bei einem Bier und Wein, am Hafen herrschte reger Betrieb, uns wurde nicht langweilig.

28.06.18 Bei schönstem Wetter saßen wir am Oberdeck mit Blick auf die anlegenden Fahrgastschiffe und die wartenden Boote vor der Drehbrücke. Wir haben uns zum Kaffeetrinken Zeit genommen, weil es wohl der letzte Tag auf unserem Schiff ist.

Nachdem wir in Malchow noch 2 frisch gerauchte Saiblinge geholt haben, wurde an das Einpacken der mitgebrachten Sachen gegangen. Ich hatte natürlich viel zu viel mitgenommen, das nächste Mal würde ich Abstriche machen.

Auch das Boot wurde sauber gemacht, dann ging es auf die letzte Etappe nach Eldenburg.

In der Marina wurde das Boot betankt, wir waren erstaunt, dass wir in den 14 Tagen nur 104 l Diesel verbraucht haben.

Im Hafenrestaurant haben wir Mittag gegessen, dann ging es an das Ausräumen. Gerhard hat das Wohnmobil geholt und mit den Transportwägelchen alles umgeräumt. Das Ein- und Ausräumen ist schon eine Mordsarbeit und da weiß man erst, was man alles unnütz mitgenommen hat.

Es war unsere letzte Nacht auf dem Boot und sitzen am Abend leider das auch das letzte Mal auf dem Deck, was wir sehr vermissen werden.

29.06.18 Wir mussten heute zeitig aufstehen, denn um 9 Uhr werden wir das Boot wieder abgeben.

Die Übergabe verlief problemlos, es wurde alles kontrollieret, mit einer Unterwasserkamera die Schraube besichtigt, alles war okay.

Dann bekamen wir die Kaution zurück, haben uns bei den Damen im Büro verabschiedet und sind in unser Womo, um unseren Frühstückskaffee zu trinken.

Es war eine schöne Reise, wir werden sie wiederholen und auch anderen sehr empfehlen. Dann ging es wieder auf den Heimweg.

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Törn
Pedro Skiron 1
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