Wer in der Mecklenburgischen Seenplatte Zugvögel beobachten möchte, der sollte im Frühling von Anfang April bis Ende Mai oder im Herbst von Anfang September bis Ende Oktober kommen. Zahlreiche Zugvögel halten sich in dieser Zeit dort auf, wie unter anderem Schwalben, Buchfinken, Störche, Graugänse und natürlich auch viele Kraniche.
Zugvögel zu beobachten ist faszinierend. Jedes Jahr verlassen sie fast zur selben Zeit ihre Brutgebiete, um auf ungefähr gleichbleibenden Routen bis ihrem Winterquartier zu fliegen, von wo sie dann im nächsten Frühjahr zurückkommen.
Weltweit sind jedes Jahr ungefähr 50 Milliarden Zugvögel unterwegs. Allein ca. fünf Milliarden legen die Strecke zwischen Europa und Afrika zurück.
Man unterscheidet die Zugvögel je nach Fluglänge in Kurzstreckenzieher, Mittelstreckenzieher und Langstreckenzieher. Zahlreiche Zugvögel fliegen als Kurzstreckenzieher von ihren Brutgebieten in Mitteleuropa zu den wärmeren Gebieten in Südeuropa oder Nordafrika, um dort den Winter zu verbringen. Mittelstreckenzieher sind zwischen Europa und Zentralafrika unterwegs, während Langstreckenzieher sogar bis nach Südafrika fliegen.
Zu den bekanntesten Kurz- und Mittelstreckenziehern gehören neben dem Kranich auch der Buchfink, das Rotkehlchen, der Star und der Kiebitz, aber auch der Storch, die Graugans, die Blessgans, die Singdrossel und der Hausrotschwanz.
Bemerkenswert ist die Leistung der Zugvögel und die enorme Flughöhe. Beispielsweise können Schwäne über Europa auf einer Flughöhe von 8000-8500 Metern unterwegs sein, während andere Zugvögel sogar das Himalaya-Gebirge überfliegen und dabei eine Flughöhe von bis zu 10.000 Metern erreichen.
Beeindruckend ist aber auch die Genauigkeit, mit der die Zugvögel jedes Jahr ihre Route finden und dabei auch oft den gleichen Schlafplatz wählen. Dieses komplexe Orientierungssystem ist immer noch ein Geheimnis, das noch nicht vollständig erforscht werden konnte.
Natürlich fragt man sich auch, warum diese anstrengende Reise von den Zugvögeln unternommen wird. Hierfür gibt es sowohl ökologische als auch genetische Gründe. Neben dem Wechsel der Jahreszeiten, der auch für einen Wechsel der Lebensbedingungen sorgt, da es im Winter weniger Nahrung gibt und so der Zug in günstigere Gebiete nötig wird, sind es auch die Gene, die dafür sorgen, dass die Vögel ziehen wollen. Diese genetische Programmierung sorgt dafür, dass die Vögel nicht vom Winter überrascht werden.
Um überhaupt den weiten Flug zu überstehen, müssen Zugvögel auch entsprechende körperliche Voraussetzungen haben. Dazu zählen die langen, spitzen Flügel für weniger Luftwiderstand und somit Energieeinsparung. Außerdem ist durch das Flügelschlagen die Brustmuskulatur deutlich stärker ausgeprägt und kann bis zu 35% des gesamten Körpergewichts betragen. Außerdem ist noch der Energiestoffwechsel sowie die Sauerstoffversorgung wesentlich höher als bei anderen Vögeln.
Zur Vorbereitung auf den Vogelzug beginnen die Zugvögel deutlich mehr zu fressen, um diesen erhöhten Energiebedarf zu decken. Dabei sind vor allem Früchte sehr wichtig, da sie für vermehrte Fettspeicherung sorgen, die in Energie gewandelt werden kann. Zu dieser Zeit sammeln sich die Zugvögel vermehrt in Schwärmen, um dann zusammen loszufliegen.
Jedes Jahr lockt das Sammeln der Zugvögel, wie Kraniche, Wildgänse oder Störche viele Besucher, die der Faszination der Zugvögel nicht widerstehen können.